Zinswende - aktuelle Lage fordert Unternehmen heraus

Lesen Sie in einem informativen Gastbeitrag unseres Partners FinCompare mehr über die aktuelle Zinswende. Wir geben Ihnen einen Einblick in die aktuelle wirtschaftliche Lage und die Konsequenzen, die sich für Unternehmen ableiten lassen.

17 August 2022

Am 21. Juli 2022 hat die EZB eine Leitzinserhöhung von endgültig 0,5 Prozentpunkten festgelegt. Das ist doppelt so viel wie die in vorherigen Sitzungen eigentlich angekündigten 0,25 Prozent. Grund dafür ist die stetig ansteigende Inflation. Dennoch befindet sich die EZB in einem Dilemma: Einerseits muss der Inflation entgegengewirkt werden, andererseits darf auch die sowieso schon krisengeschwächte Wirtschaft nicht noch mehr ausgebremst werden.

Zinswende als Gegenmaßnahme zur Inflation

Das Wort Zinswende ist derzeit ein häufig verwendeter Begriff, aber was genau bedeutet es eigentlich und welche Auswirkungen hat es für Sie als Unternehmer⋆in?

Eine Zinswende kann in beide Richtung gehen: entweder handelt sich um eine Erhöhung oder um eine Senkung der Leitzinsen durch die Zentralnotenbanken. Insgesamt gibt es drei Leitzinsen, die von der Europäischen Zentralbank (EZB) geregelt werden. Der Zinssatz, welcher derzeit besonders im Mittelpunkt steht, ist die sogenannte Hauptrefinanzierungsfazilität (die weiteren Leitzinsen sind die Einlagenfazilität und die Spitzenrefinanzierungsfazilität). Die Hauptrefinanzierungsfazilität legt fest, zu welchem Zinssatz sich Banken Geld bei der Zentralbank leihen können.

Die EZB ist dabei nicht die erste und einzige Notenbank, die eine Erhöhung der Zinsen als dringend notwendig ansieht. Auch die norwegische und US-amerikanische Notenbank haben diese Maßnahme im Jahr 2022 bereits ergriffen. Seit 2016 lag der Leitzins in Europa bei null Prozent, nachdem er vorher über viele Jahre gesunken ist.

Für Sparer⋆innen, die ihr Geld bei der Bank anlegen, ist dies eine gute Nachricht, denn es gibt schon jetzt spürbar höhere Zinsen auf beispielsweise Tages- und Festgeldprodukte. Da außerdem die Einlagefazilität von -0,5 Prozent auf 0,0 Prozent erhöht wurde, entfällt bei den Banken die Grundlage für das sogenannte Verwahrentgelt, das Bankkunden als “Strafzinsen” kennen. Seit Ende Juli können Banken also Geld kostenfrei bei der EZB “parken”. Für Bankkund⋆innen fällt kurz- und mittelfristig damit das Verwahrentgeld weg, beziehungsweise der Freibetrag, bis zu dem keine Negativzinsen fällig werden, wird erhöht.

Die Aussicht auf Guthabenzinsen und der Wegfall von Strafzinsen sind erstmal gute Nachrichten für Bankkund⋆innen. Doch die Entwicklung hat auch eine Kehrseite: Steigt der Zinssatz, zu dem sich Banken bei der EZB Geld leihen können, an, geben die Institute diese Kosten meist direkt an Verbraucher⋆innen und Unternehmen weiter. Die Folge sind höhere Kreditkosten. Das ist vor allem für Unternehmen, die auf Fremdkapital für anstehende Investitionen angewiesen sind, wichtig.

Betrachtet man beispielsweise einen Kredit von 100.000 €, muss ein Unternehmen mit der aktuellen Zinserhöhung von 0,5 Prozent mit einem Mehraufwand von 500 € pro Jahr planen. Je nach Bonität und Bewertung des Unternehmens können die Mehrkosten für einen Kredit sogar noch höher ausfallen.

Grund für die Zinserhöhungen ist die drastisch gestiegene Inflationsrate. Laut Statistischem Bundesamt wurde ein Verbraucherpreisindex für Deutschland im Mai bei 7,9 Prozent verzeichnet, so hoch war dieser seit der Wiedervereinigung nicht mehr. Derzeit ist ein leichter Rückgang zu verzeichnen. Im Juli lag er, im Vergleich zum Vorjahresmonat, noch bei einem Plus von 7,5 Prozent. Die Prognose und Grundlage der Zinsanpassungen für Ende des Jahres 2022 liegen laut EZB bei einer Inflation von 5,1 Prozent für die Eurozone.

Bedrückende Lage für Unternehmen: Lieferengpässe und Energiekrise

Aber nicht nur die Zinswende bringt Unternehmen aktuell in eine schwierige Lage. Nachdem die Auswirkungen der Corona-Pandemie und damit einhergehende Lieferengpässe und Transportprobleme allmählich nachgelassen hatten, bahnte sich mit dem Russland-Ukraine Krieg die nächste Krise an. Die Energiepreise stiegen aufgrund des Konfliktes innerhalb kürzester Zeit auf ein historisches Hoch. Auch die erhöhten Preise für Handels- und Rohstoffe brachten Firmen in Schwierigkeiten.

Zudem trug der Krieg nicht gerade zu einer Verbesserung der Versorgungen und Handelswege bei. Die fehlende Verfügbarkeit von Rohstoffen machte sich auf allen Stufen der Lieferkette bemerkbar, weshalb einige Unternehmen Vereinbarungen mit Lieferanten, Geschäftspartnern und Kund⋆innen nicht nachkommen konnten und die aktuelle Auftragslage kaum abdecken können. Mittlerweile scheint sich die Lage wieder ein wenig zu entspannten, jedoch bleiben weitere Entwicklungen und Auswirkungen abzuwarten.

Welche Maßnahmen können Unternehmen ergreifen?

In Betrachtung der steigenden Zinsen sollten Unternehmen, die auf Fremdkapital für Investitionen angewiesen sind, schnell handeln und einen Kredit aufnehmen, bevor der Zugang zu Kapital noch schwieriger und teurer wird. Die EZB plant bereits jetzt mit weiteren Zinserhöhungen im Laufe des Jahres.

Zinswende Fincompare Graf

Diesen Trend zeigt auch die aktuelle Grafik der Barkow Consulting Group, welche seit Anfang des Jahres eine deutlich erhöhte Nachfrage nach Krediten anzeigt. Außerdem ergibt es mehr denn je Sinn, als Unternehmer⋆in alternative Finanzierungsformen in Betracht zu ziehen, um Liquidität zu generieren. Als Beispiel kommen hier Factoring, Sale & Lease Back und Leasing oder Mietkauf in Frage. Auch ist es ratsam, das Kreditrisiko streuen und das Portfolio auf verschiedene Finanzierer zu verteilen. Ebenso können bankenunabhängige Finanzierungen sinnvoll sein. Eine weitere Möglichkeit, Kredite zu günstigeren Konditionen zu erhalten und gleichzeitig das Risiko zu minimieren, sind Bürgschaften oder Kreditversicherungen. Es gibt zudem viele verschiedene Möglichkeiten, Energie auch in Bürogebäuden zusparen und so langfristig Kosten einzudämmen.

Über FinCompare

FinCompare ist ein Berliner Fintech, das sich auf die Vermittlung und unabhängige Beratung von Mittelstandskrediten fokussiert. Neben Krediten bietet FinCompare auch alternative Finanzierungsmöglichkeiten, um für jedes Unternehmen und jede Branche Kapital in passender Form bereitzustellen. Zum Produktspektrum zählen außerdem Schnellkredite, Firmenleasing, Factoring, Lagerfinanzierung sowie Einkaufsfinanzierung.

FinCompare wurde 2016 gegründet und beschäftigt heute rund 50 Mitarbeiter⋆innen. Auf der Vermittlungsplattform sind über 250 Banken, Leasing- und Factoringgesellschaften vertreten. Das Unternehmen hat bis heute über 30.000 Kreditanfragen mit einem Finanzierungswert von über drei Milliarden Euro betreut. Das ausgeklügelte Software-Tool wird zwischenzeitlich auch als Whitelabel-Lösung an Geschäftsbanken lizenziert. Während der Corona Krise hat FinCompare dazu beigetragen, die Kreditklemme des Mittelstands durch schnelle Prozesse in der Vermittlung attraktiver KfW-Darlehen zu überwinden. FinCompares Berater⋆innen beraten Sie gerne kostenlos und unverbindlich.

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