Finanzierung für Kleinunternehmen: Eine Frage des Standorts

Der Finanzierungsbedarf kleiner Unternehmen hängt in Deutschland mitunter stark davon ab, wo diese sich befinden. Lesen Sie hier mehr zu den Ergebnissen unserer Studie und finden Sie heraus, in welchen deutschen Regionen kleine Unternehmer und Selbstständige am dringendsten Gelder benötigen.

12 April 2022

Nord

  • Acht von zehn Unternehmen (82 Prozent) in Norddeutschland sind nicht verschuldet
  • Jede dritte norddeutsche Unternehmerin (29 Prozent) leidet in der Pandemie mehr als einmal pro Woche unter Stress
  • Im Norden ist die Angst, das eigene Unternehmen aufgeben zu müssen, am geringsten zu spüren

Ost

  • Ostdeutsche** Unternehmen haben in Kreditfragen mehr als doppelt so oft wie westdeutsche schlechte Erfahrungen mit Banken gemacht (17 Prozent vs. 8 Prozent)
  • Staatliche Corona-Hilfen wurden in Ostdeutschland im regionalen Vergleich am häufigsten in Anspruch genommen
  • Lediglich sieben Prozent der Unternehmer*innen Ostdeutschlands fühlen sich seit der Pandemie sehr entspannt, 13 Prozent sind dagegen sehr angespannt

Süd

  • Jede⋆r zweite Unternehmer⋆in in Süddeutschland sucht finanzielle Unterstützung
  • Süddeutsche Unternehmen sehen am stärksten Handlungsbedarf seitens Politik in Sachen Finanzierungsbedingungen
  • Mehr als jede*r dritte süddeutsche Befragte empfindet es als positiv, ein eigenes Unternehmen zu führen, lediglich zwei Prozent sehen in der Pandemie eine ausweglose Situation vor sich

West

  • Westdeutsche Unternehmen machen nur halb so häufig schlechte Erfahrungen mit Banken wie ostdeutsche (8 Prozent vs. 17 Prozent)
  • Auf staatliche Corona-Hilfen konnten westdeutsche Unternehmen im regionalen Vergleich am häufigsten verzichten
  • In Westdeutschland haben die wenigsten Unternehmer*innen in der Pandemie Existenzangst

Überregional

  • Ostdeutsche** Unternehmen haben in Kreditfragen mehr als doppelt so oft wie westdeutsche schlechte Erfahrungen mit Banken gemacht (17 Prozent vs. 8 Prozent)
  • Süddeutsche Unternehmen greifen am häufigsten auf Kredite zurück und sehen am stärksten Handlungsbedarf seitens Politik in Sachen Finanzierungsbedingungen
  • Norddeutschlands Unternehmer*innen verschulden sich ungern, sowohl privat als auch mit Firmenkredit

Bei Kleinunternehmer⋆innen und Selbständigen treten je nach Region, in der sie sich mit ihrem Unternehmen angesiedelt haben, mitunter große Unterschiede in Finanzierungsangelegenheiten hervor. Um in der starken Wirtschaftsregion im Süden mitzuhalten, sucht sich hier jeder zweite Unternehmerin finanzielle Unterstützung, wohingegen im Norden 61 Prozent bislang von einem Kreditantrag abgesehen haben. Dennoch hat die Corona-Pandemie bei den süddeutschen Befragten am ausgeprägtesten zu mehr Vorsicht geführt, knapp jeder fünfte Unternehmerin (19 Prozent) ist bei der Aufnahme von Darlehen und Krediten jetzt vorsichtiger und möchte sicherer wirtschaften. Nach den bisherigen Kreditanträgen bei einer klassischen Bank gefragt, klagen die ostdeutschen Unternehmen mit 17 Prozent mehr als doppelt so häufig wie norddeutsche (acht Prozent) über schlechte Erfahrungen. Zu diesen Ergebnissen kommt unsere aktuelle Umfrage in Zusammenarbeit mit YouGov*, für die Ende 2021 514 Kleinunternehmer⋆innen und Selbständige in Deutschland befragt und für diese Auswertung in Regionen** eingeteilt wurden.

Bedarf an Kleinkrediten ist groß

Ein Blick auf die aktuelle Unternehmensverschuldung zeigt, dass deutschlandweit vor allem kleine Summen benötigt werden. Die meisten verschuldeten Kleinunternehmen kämpfen mit einem Minus bis maximal 10.000 Euro, hier ist der Anteil mit 11 Prozent in Ostdeutschland am höchsten und im Norden mit 5 Prozent am geringsten. Die Schuldendichte mit einer Höhe zwischen 10.001 und 50.000 Euro ist im Süden und Osten mit 5 Prozent am höchsten und im Westen und Norden mit 3 Prozent am niedrigsten. Große Schuldenberge von über 200.000 Euro sind in Deutschland sehr selten und nur bei je einem von hundert befragten Unternehmen in Nord- und Westdeutschland zu stemmen. Insgesamt sind ostdeutsche Unternehmen am häufigsten und norddeutsche am seltensten verschuldet: Drei von vier ostdeutschen Unternehmen (76 Prozent) stehen momentan nicht in den roten Zahlen, während es im Norden 82 Prozent sind.

„Für Finanzdienstleister ist es enorm wichtig, diese regionalen Unterschiede zu erfassen. Nur dann können sie mit ihrem Angebot die Kreditbedürfnisse ihrer Kund⋆innen bestmöglich bedienen und auf die Sorgen und Nöte eingehen“, findet Hilal Güngör, unsere Head of Operations. „Gerade in diesen unsteten Zeiten bedeutet es für Selbständige und Kleinunternehmer⋆innen immens viel Sicherheit, finanzielle Unterstützung schnell und einfach zu bekommen. Die mentale Belastung ist in dieser Zeit ohnehin hoch und das Arbeitspensum groß. Hier sollten in Finanzierungsfragen so wenig Stolpersteine wie möglich zusätzlich im Weg liegen.“

Finanzierungshilfen aus öffentlicher Hand im Osten am dringendsten benötigt

Jede⋆r dritte süddeutsche Unternehmer⋆in (30 Prozent) sieht dabei die Politik in der Verantwortung, für bessere Finanzierungsbedingungen zu sorgen. In den westlichen Bundesländern sieht das nur jede*r Fünfte (21 Prozent) so. Staatliche Corona-Hilfen haben entsprechend 71 Prozent im Westen nicht in Anspruch genommen. Ostdeutsche Unternehmen waren im Vergleich am häufigsten auf die Staatshilfen während der Pandemie angewiesen, nur 59 Prozent konnten eine Unterstützung ablehnen. Auch die Überbrückungshilfen des Bundes haben 27 Prozent der ostdeutschen Unternehmen geholfen, wohingegen im Süden lediglich 18 Prozent darauf angewiesen waren.

Angesichts der Ergebnisse verwundert es nicht, dass im Westen die Angst, das eigene Unternehmen aufgeben zu müssen, am geringsten ist. Nur rund 13 Prozent der Unternehmen empfanden die Situation während der Pandemie zu einem Zeitpunkt so bedrohlich. Ein gravierender Unterschied zwischen den Geschlechtern ist im Osten zu sehen: Für ausweglos hielten die Lage hier 21 Prozent der Frauen und 13 Prozent der Männer.

Frauen deutschlandweit stärker unter Belastung

All das hat Auswirkungen auf das mentale Befinden: Seit der Pandemie fühlen sich ostdeutsche Unternehmer⋆innen am meisten belastet. Für 13 Prozent ist die Lage hier sehr angespannt, wobei das Frauen stärker spüren: Jede fünfte Frau (19 Prozent) leidet unter der großen Anspannung, aber nur jeder zehnte Mann (9 Prozent). Sehr viel entspannter sieht es der Süden Deutschlands. Hier sind angesichts der Lage immerhin 15 Prozent noch sehr entspannt und nur fünf Prozent quälen große Sorgen. Alles in allem empfinden es 35 Prozent der süddeutschen Unternehmer⋆innen als sehr positiv für die eigene mentale Gesundheit, ein eigenes Unternehmen zu führen.

Das wirkt sich auf die Gesundheit aus. Jede dritte Unternehmerin (29 Prozent) in Norddeutschland leidet in der Pandemie mehr als einmal pro Woche unter Stress und jede vierte (26 Prozent) unter Schlafstörungen, im Osten jeweils jede vierte befragte Frau. Männer geben hier weit weniger Probleme an. Allerdings wirkt sich das veränderte Arbeitspensum auch vermehrt auf die Frauen aus. So gibt in Norddeutschland rund ein Viertel (24 Prozent) der Befragten an, ihr Arbeitspensum erhöht zu haben – und davon sind 32 Prozent Frauen und 18 Prozent Männer. Von den 20 Prozent Befragten im Osten mit Mehrarbeit tragen diese mit 31 Prozent ebenfalls vermehrt die Frauen und nur zu 13 Prozent die Männer.

„In unserer Erhebung spiegelt sich wider, dass Unternehmerinnen anders auf die Situation reagieren und ihre Lebens- und Arbeitsumstände andere sind als die der männlichen Mitstreiter”, so Hilal Güngör. Sie folgert daraus: “Frauen haben auch in Finanzierungsfragen ganz eigene Anforderungen, an die sich Finanzdienstleister entsprechend anpassen sollten.“

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*Die verwendeten Daten beruhen auf einer Online-Umfrage der YouGov Deutschland GmbH, an der 514 Personen zwischen dem 27.10. und 04.11.2021 teilnahmen. Die Befragten sind Inhabende / Entscheidungstragende in Kleinstunternehmen bis zu 9 Mitarbeiter. Die für den Vergleich zu vor der Pandemie verwendeten Daten beruhen ebenfalls auf einer Online-Umfrage der YouGov Deutschland GmbH, an der 511 Inhabende / Entscheidungstragende in Kleinstunternehmen bis zu 9 Mitarbeiter zwischen dem 29.05. und 03.06.2019 teilnahmen.

**Die verwendeten Daten wurden nach Bundesländern wie folgt in Regionen eingeteilt: Nord n=88 (Bremen (n=5), Hamburg (n=20), Niedersachsen (n=39), Schleswig-Holstein (n=24)); Ost n=133 (Berlin (n=42), Brandenburg (n=14), Mecklenburg-Vorpommern (n=14), Sachsen (n=34), Sachsen-Anhalt (n=13), Thüringen (n=16)); Süd n=133 (Baden-Württemberg (n= 54), Bayern (n=79); West n=160 (Hessen (n=30), Nordrhein-Westfalen (n=106), Rheinland-Pfalz (n=117), Saarland (n=7).

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Article updated on: 15 Juli 2022