iwoca KMU-Index: Spritpreisbremse geht im Kostendruck des Mittelstands unter

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iwoca KMU-Index: Spritpreisbremse geht im Kostendruck des Mittelstands unter

- 60 Prozent der Finanzierungsexpert*innen sehen kaum oder gar keine Entlastung ihrer KMU-Kund*innen durch die befristete Steuersenkung auf Benzin und Diesel, nur 5 Prozent halten sie für geeignet und ausreichend
- Der Zugang zu Finanzmitteln ist die größte Sorge kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU), noch vor steigenden laufenden Kosten
- 80 Prozent der Expert*innen fordern Bürokratieabbau, 63 Prozent einen besseren Zugang zu Kapital, während die Absagequote bei Kreditanträgen weiter steigt
Berlin, 22. Oktober 2026 – Seit dem 1. Oktober gilt die Spritpreisbremse: Bis Ende Dezember senkt der Bund die Energiesteuer auf Benzin und Diesel um 14 Cent je Liter, inklusive Umsatzsteuer sind das rund 17 Cent. Dem Mittelstand hilft dies allerdings wenig. Laut dem aktuellen KMU-Index des deutsch-britischen Fintechs iwoca sehen 60 Prozent der befragten Finanzierungsexpert*innen kaum oder gar keine Entlastung für die Unternehmen, die sie betreuen. Der Kostendruck bleibt damit hoch, und er trifft auf einen Kreditmarkt, auf dem der Zugang zu Darlehen immer schwieriger wird.
Die Entlastung geht im Kostendruck unter
Befragt wurden 40 Finanzierungsexpert*innen, darunter Banken, Makler*innen und Plattformen, die im letzten Quartal insgesamt rund 1.280 KMU-Kreditanfragen bearbeitet haben. Mehr als die Hälfte von ihnen (60 Prozent) gibt an, dass die Steuersenkung ihre KMU-Kund*innen kaum oder gar nicht entlastet, weil sie im allgemeinen Kostendruck untergeht. Als spürbar, aber nicht entscheidend, bewerten 23 Prozent die Entlastung, deutlich ins Gewicht fällt sie nur für 10 Prozent.
Auch das Instrument selbst überzeugt die Expert*innen kaum. Nur 5 Prozent halten die befristete Steuersenkung für geeignet und in diesem Umfang ausreichend. Ein Viertel (26 Prozent) hält sie grundsätzlich für sinnvoll, mit drei Monaten aber für zu kurz befristet. Ebenso viele (26 Prozent) sehen einen Nutzen nur für einzelne Branchen mit hohem Spritverbrauch. Auch spannend: Immerhin ein Viertel (23 Prozent) erwarten, dass die Entlastung an der Zapfsäule gar nicht vollständig ankommt.
Größte Sorge: der Zugang zu Kapital
Fragt man die Expert*innen hingegen nach der aktuell größten Sorge ihrer Kund*innen, steht der Zugang zu Finanzmitteln mit 25 Prozent an erster Stelle. Es folgen steigende laufende Kosten einschließlich der Mindestlohnerhöhung (20 Prozent), eine Rezession (13 Prozent) und das allgemeine Zinsniveau (10 Prozent).
Ein Grund dieser Sorge liegt im Kreditvergabeverhalten der Großbanken: 58 Prozent der Expert*innen beobachten eine höhere Absagequote als im Vorquartal, keine*r von ihnen eine höhere Zusagequote. 85 Prozent bewerten das Vergabeverhalten von Großbanken gegenüber KMU als „zurückhaltend“ oder „sehr zurückhaltend“. 45 Prozent stellen fest, dass sich die Bearbeitungszeit dort in den vergangenen zwölf Monaten verlängert hat, Daten die sich mit Statistiken von KfW und Bundesbank decken.
Gleichzeitig steigt der Finanzierungsbedarf seitens der KMU: 40 Prozent der Expert*innen haben im letzten Quartal mehr Finanzierungsanträge gestellt als im Quartal davor. Fast drei Viertel (73 Prozent) erwarten, dass die Nachfrage in den kommenden sechs Monaten weiter steigt. Und viele Betriebe wollen trotz des hohen Kostendrucks investieren: Für 30 Prozent der Expert*innen ist die Wachstumsfinanzierung, etwa für Neueinstellungen, neue Ausrüstung oder Expansion, der häufigste Grund für eine Kreditanfrage. Knapp ein Viertel (23 Prozent) nennt die Verwaltung des täglichen Cashflows unter dem Druck steigender Kosten.
Was die Expert*innen von der Politik erwarten
Bei den politischen Prioritäten sind sich die Befragten weitgehend einig. 80 Prozent nennen Bürokratieabbau und vereinfachte Verwaltungsprozesse als eine der drei wichtigsten Maßnahmen zur Unterstützung von KMU, 63 Prozent einen besseren Zugang zu Finanzmitteln und die Hälfte (50 Prozent) Steuersenkungen für kleine und mittlere Unternehmen. Branchenexpert*innen zufolge liegt einer der größten Hebel der Politik darin, den Unternehmerinnen und Unternehmern Zeit für ihr Tagesgeschäft zurückzugeben.
Fabian Platzen, Geschäftsführer von iwoca Deutschland: „Was die Betriebe brauchen, ist ein verlässlicher Zugang zu Liquidität. Genau dort wird es enger: Die Absagen nehmen zu, und Großbanken lassen sich für ihre Entscheidungen weiter Zeit. Bankenunabhängige Finanzierer wie iwoca schließen einen Teil dieser Lücke, doch die Rahmenbedingungen muss die Politik setzen. Wer den Mittelstand stärken will, sollte dort ansetzen, wo die Expert*innen den größten Hebel sehen: bei weniger Bürokratie, mehr Zeit für ihre Unternehmen durch echte Entlastungen im Geschäftsalltag.“
Über den iwoca KMU-Index:
Der iwoca KMU-Index wird vierteljährlich erhoben und basiert auf einer Online-Befragung von Kreditexpert*innen in Deutschland, darunter Banken, Makler*innen und Plattformen. Die Ergebnisse bieten einen regelmäßigen Einblick in die Finanzierungslage kleiner und mittlerer Unternehmen und wie sich diese in verschiedenen wirtschaftlichen Trends entwickelt. Die aktuelle Befragung wurde vom 5. bis zum 19. Oktober 2026 durchgeführt. Für die Untersuchung wurden 40 Finanzierungsexpert*innen befragt, die im letzten Quartal rund 1.280 KMU-Kreditanfragen bearbeitet haben.



